Folsom Europe 2022 auf der Kippe?

Folsom Europe 2022 auf der Kippe?

(Radio-Interview by: LuLu-FM):

(Interview by: Siegessäule Magazine)

Im Gegensatz zu Easter Berlin, oder auch dem Lesbisch-Schwulen Stadtfest konnte das Fetisch-Event Folsom samt Straßenfest in diesem Jahr stattfinden – trotz Coronakrise und erheblicher finanzieller Probleme des Vereins Folsom Europe. Nach eingehender Prüfung der Vereinskasse ist aber nun klar: Das Straßenfest wird sich 2022 nicht mehr finanzieren lassen. Insofern ist es fraglich, ob das Event im nächsten Jahr überhaupt stattfinden kann. Wir fragten Alain Rappsilber, Vorstand von Folsom Europe, welche Maßnahmen erforderlich sind, um das Community-Event zu retten Folsom ist ja in den vergangenen Jahren vor Corona recht erfolgreich gewesen.

Nun habt ihr einen Kassensturz gemacht und habt festgestellt, dass es nächstes Jahr knapp werden wird mit den Finanzen, wie ist die Situation? Folsom ist Besucher*innen-mäßig bis zu Corona immer stabil gewachsen, aber wirtschaftlich sah es da anders aus: Die Kosten wurden gerade so gedeckt mit den Einnahmen aus dem Programmheft und Sponsoren-Geldern. Dann kam Corona und alles änderte sich. Wir haben das Büro aufgeben müssen und alles auf null runter gefahren, um irgendwie zu überleben. Dieses Jahr waren wir wohl das einzige Straßenfest, welches in Berlin gestemmt wurde. Wir konnten das Folsom Straßenfest aber nur durch die Förderung des Senates stattfinden lassen, da wir keine großen Sponsoren und Programmhefteinnahmen hatten.

Wie zu hören ist, könnte es auch beim Lesbisch-schwulen Stadtfest finanziell eng werden … Bei uns sind dieses Jahr die Kosten der Gewerke für so ziemlich alles auf dem Folsom-Straßenfest explodiert: Strom, Wasser, Reinigung usw. Wir können die hohen Kosten über die Standmieten nicht umlegen, das sind utopische Preise, dazu brauchen wir auch wieder ein Büro und eine Bürokraft um das zu wuppen. Und ich denke, das Stadtfest in der Motzstraße und alle anderen Veranstalter*innen werden im nächsten Jahr vor den gleichen Problemen stehen.

Es muss eine langfristige Lösung her.”

Auch Folsom Europe haben von der Bundesregierung einen „Queeren Rettungsschirm” für Community-Vereine und -Organisationen gefordert. Was wäre denn da der Unterschied zu der Förderung von Stadtfest und Folsom? Rettungsschirm klingt falsch, es muss eine langfristige Lösung her. Wir brauchen feste Strukturen, um zu arbeiten. Das wie früher alles nebenbei zu stemmen, geht so nicht mehr. Dazu sind die Aufgaben und Auflagen zu vielfältig geworden. Als ich vor 19 Jahren angefangen habe, das mit zu organisieren war alles einfacher in den Ämtern. Zwei bis drei Anträge und es war am Laufen. Heute gleicht es einem Marathon und ist nur Bürokratie. Da kann so einiges verbessert werden.

Einige Events wie der CSD, das Stadtfest, Folsom und Easter Berlin haben damals eine Coronahilfe bekommen. Kultursenator Klaus Lederer hat allerdings in einem Interview gesagt, dass Demos wie der CSD nicht dauerhaft vom Staat finanziert werden können, sonst würden andere Veranstalter*innen dann ja auch Forderungen stellen. Wie siehst Du dieses Problem? Coronahilfen haben wir beantragt und auch etwas bekommen, das hat aber nicht wirklich geholfen. Wir müssen eine dauerhafte langfristige Lösung finden mit der Stadt. Denn die Veranstaltungen hängen am Arbeitswillen und freiwilligen Engagement einiger weniger. Wenn nur einer ausfällt, ist das alles gefährdet. Bei den Veranstaltungen gibt es nichts zu verdienen, sie kosten aber viel private Freizeit und Nerven. Das muss sich ändern.

Berlin sollte sich mal ein Beispiel an München nehmen.”

Was wären denn die Perspektiven, wenn Folsom und Stadtfest keine weiteren Förderungen bekommen würden? Wären die Events gefährdet? Ja eindeutig, es würde sie nicht mehr auf der Straße geben, die Sichtbarkeit ginge verloren. Ich denke, das will niemand.

Gäbe es möglicherweise noch andere Sponsoren, die man gewinnen könnte? Neue Sponsoren sind immer gut, aber diese werden auf Dauer auch nicht alles lösen, weil es wieder Zeit und viel Arbeit kostet, diese zu suchen und zu halten. Das Problem ist, wir kommen von den hohen Grundkosten für die Planung und Organisation nicht runter, also Büro, Personal, usw. Berlin sollte sich mal ein Beispiel an München nehmen, da läuft alles seit fast 15 Jahren direkt über das Bürgermeisteramt. Sowohl die Orga mit der CSD-Demo und dem Straßenfest, alles ohne Probleme. Nur das strahlend weiß-blaue Wetter können die Bayern nicht garantieren, ansonsten läuft es da recht rund …

Tommy Schenz

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